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Stiftung „Sammlung Ernst-Ulrich Walter – Museum für Morgenlandfahrer“

Stiftung ist Rettung für Leutwitzer Orientschätze
Die Landkreise Görlitz und Bautzen wollen die privat gesammelten Schätze aus dem Museum für Morgenlandfahrer in der Lausitz halten.
Bettina Ernst-Bertram
Landrat Bernd Lange (Görlitz) hat am 1. Dezember zusammen mit Dr. Wolfram Leunert (Erster Beigeordneter des LK Bautzen) und dem Privatsammler Ernst-Ulrich Walter (91) in Leutwitz (Foto) das Stiftungspapier besiegelt, das den Bestand der einzigartigen Sammlung des reisenden Juristen Walter in der Region sichern soll. An der unselbständigen Stiftung „Sammlung Ernst-Ulrich Walter – Museum für Morgenlandfahrer“ sind die Landkreise mit jeweils 12.500 Euro beteiligt. Walter stiftet Teile seines außergewöhnlichen Lebenswerkes, das vielfältige ethnologische, archäologische und historische Objekte des Mittelmeerraumes und Südostasiens vereint. Auf dem Erbrichterhof der 50-Seelen-Gemeinde Leutwitz bei Bautzen, einem Anwesen von Vorfahren der Familie, hat sich der gebürtige Schlesier, der in Breslau Jura studierte und nach dem Krieg in Wuppertal eine Kanzlei führte, seit 1991 eingerichtet.
Seltene tibetische Kostbarkeiten
„Der tibetische Bereich ist besonders beachtenswert und beinhaltet seltene Kostbarkeiten“, sagt Friederike Koch, die Leiterin des Museums der Westlausitz in Kamenz über Objekte, die in die Stiftung eingehen. Die Archäologin ist zusammen mit weiteren Experten seit 2008 dabei, die Objekte in eine Datenbank aufzunehmen und wissenschaftlich zu bearbeiten. Walter hatte zur Zeit der chinesischen „Kulturrevolution“ , als mit der Zerstörung von buddhistischen Zeugnissen der tibetischen Identität vernichtende Schläge verpasst wurden, viele tibetische Kunstobjekte gesammelt und gekauft - und somit auch gerettet. Auch wichtige armenische Kunstwerke, für die sich zeitweise keiner interessierte, sind heute noch vorhanden, da Walter sie sammelte.

Etliche Buddhastatuen, Bronzen, chinesische Vasen, antike Büsten und Jahrhunderte alte Korane und Bibeln und auch Grabsteine sind im Leutwitzer Schatzhaus nach Voranmeldung unter Führung des Hausherrn zu besichtigen.

„Das absolut Interessante neben den Werten in der Sammlung ist die enge Verbindung zwischen Leben und Sammlung von Ernst-Ulrich Walter“, sagt Kulturamtsleiter Joachim Mühle. Ernst-Ulrich Walter hat all seine Kostbarkeiten in den Jahren zwischen 1963 und 1986 gesammelt. Damals war er als Anwalt für internationales Handelsrecht mindestens viermal im Jahr in der Türkei, in Indien, Thailand und Persien (Iran) unterwegs.

Von wertvoll bis kurios und erbaulich
Nichts in diesem Morgenlandfahrer-Museum ist derzeit museal, alle „Mitbringsel“ laden zum Anfassen, Öffnen, Eintreten ein. Der Besucher läuft über Perserteppiche, streift Schlangenhäute, bewundert perlenbestickte Gewänder, die Walter aus Vorderasien nebst Handtaschen für seine Damen mitgebracht hat. Russische Ikonen, chinesische Bodenvasen, 1000 Jahre alte persische Schalen und reich verzierte Kannen, diversen Schmuck und etliches mehr hat Walter aus „Freude an den schönen Dingen“ mit nach Hause gebracht. Es herrscht in dem Herrenhaus eine lebendige, weltoffene, schöne und „erbauliche“ Atmosphäre. Bemerkenswerte Grabsteine aus Kleinasien (3. Jh. n. Chr.), mehrere Jahrhunderte alte und besondere Koran-Ausgaben aus dem Iran und sehr alte jüdische Schriften sind ein einzigartiges Studierpotenzial im Leutwitzer Dreiseithof. Inmitten seiner Schätze sitzt der Weltbürger Walter mit Pelzkappe und Mantel, der leidenschaftliche Morgenlandreisende, dem die Lebensart auch heute noch aus seinem 91-jährigen Antlitz schaut.
In den Tagebüchern, die der alte Herr bis heute schreibt, finden sich akribisch aufgelistet Hinweise zu den zum Teil extrem wertvollen Dingen, die Walter von seinen Reisen im Handgepäck oder Koffer mitbrachte oder in Überseekisten nach Deutschland schickte.

Als Junge schon ein Globetrotter
Bereits als Junge von 15 Jahren ist er durch Europa getrampt und hat den Kontinent von Schlesien aus bis nach Italien mit dem Fahrrad durchmessen. Nach dem Abitur studierte er Jura in Breslau, dazu Russisch, denn er wollte in diplomatische Dienste eintreten. Aber dann kam der Krieg, den er – zu Anfang 19 Jahre alt - vom ersten bis zum letzten Tage miterlebte. Nach dem Krieg hat er sämtliche Scheine zum Jura-Examen in drei Semestern nachgeholt.

Als Berater der Schah-Familie
1963 unternimmt er seine ersten Orient-Reise und spezialisiert sich auf Internationales Handelsrecht. 50 Prozent seiner Klienten sind türkische, arabische oder persische Geschäftsleute. Von 1974-78 avancierte er zum Berater der Schah-Familie in Persien, für die er internationale Verträge erarbeitete. Die Schah-Familie honorierte seine juristischen Dienste nicht schnöde in Barem, sondern beschenkte ihn mit kulturhistorischen Gaben, wie auch etliche andere seiner Klienten.

Stiftung als Chance für die Zukunft
Die Stiftung ist eine Chance, die Sammlung für die Allgemeinheit zusammenhängend zu erhalten. So werde es möglich, Fördermittel einzuwerben, um wertvolle Exponate restaurieren und angemessen aufbewahren zu können, sagte Joachim Mühle in Leutwitz. Die unselbstständige Stiftung wird zunächst von der „Bürgerstiftung Dresden“ (Geschäftsführer Winfried Ripp) treuhänderisch verwaltet und beim Aufbau tragfähiger Strukturen unterstützt. Zum Stiftungsrat gehören Ernst-Ulrich Walter, der Görlitzer Landrat Bernd Lange (Stv. Vorsitzender), Landrat Michael Harig (Bautzen), der Bürgermeister der Gemeinde Göda, Peter Beer (Vorsitzender), drei weitere Persönlichkeiten mit Stimmrecht und ein Vertreter der Treuhänderin ohne Stimmrecht. Perspektivisch wird die unselbständige Stiftung in die Stiftung Kunst und Kultur der Oberlausitz eingehen.
Rund 4500 Objekte wurden seit 2008 in einer Datenbank erfasst. Etwa 200 Kunstwerke sind wissenschaftlich bearbeitet worden. Diese Objekte aus der Sammlung von internationalem Rang, die auch schlicht liebenswerte oder kuriose Stücke enthält, sind zusammen mit Leihgaben aus anderen Lausitzer Privatsammlungen bis zum 10. April 2011 im Museum der Westlausitz in der Ausstellung „Ex Oriente Lux“ in Kamenz zu sehen.

Fotos: Ernst-Bertram
Walter
(c)